Streaming killed the Radio Star

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Mit dem zehnjährigen Geburtstag von Spotify – 2008 ging die Seite online – feiert das Streaming von Musik in diesem Jahr gewissermaßen ein Jubiläum. Inzwischen sind Streamingdienste wie Spotify und die diversen Konkurrenten wie Apple Music und Google Play zum dominanten Geschäftsmodell geworden. Die Musikbranche hat sich durch die Angewohnheit der Kunden, Songs einfach nur noch on demand zu spielen, gewaltig verändert.
Was genau das bedeutet, erfährst du hier.

Streamlining fürs Streaming – wie Spotify und Co. deine Hörgewohnheiten beeinflussen

Früher galt das Radio als die maßgebliche strukturelle Größe, anhand derer Künstler ihre Songs aufbereiten mussten. Sollte ein Song als Single erfolgreich sein und damit Alben verkaufen, so musste er radiotauglich sein – drei bis vier Minuten lang und mit der Möglichkeit, instrumental auszufaden. Dann konnten die Moderatoren schon einmal in die Abmoderation gehen, während die letzten Noten ausklangen. Später dann war das Musikvideo der Sales Pitch fürs Album, Visuelles stand hier im Vordergrund und gewagte Videokünstler und aufwendige Inszenierungen standen im Vordergrund der Generation MTV.
Heute entscheiden die ersten 30 Sekunden, so kurzlebig nämlich ist die initiale Aufmerksamkeit beim Streaming. Gezählt werden Klicks nämlich erst nach der magischen Grenze von 30 Sekunden. Klicken die Zuhörer vorher weg, ist es, als sei der Song nie abgespielt worden. Das ist natürlich schlecht für die Künstler, denn die werden pro Abruf bezahlt. Das wirkt sich massiv darauf aus, wie Songs beginnen. Die finanzielle Notwendigkeit, gezählt zu werden, macht Songanfänge aufmerksamkeitsheischend. Musik wird für den für den Zuhörer mit Aufmerksamkeitsdefizit gemacht, schließlich ist die Streamingplattform ohnehin größtenteils Werbeanzeigen.
Künstler empfehlen sich für ihre Konzerte und für Merchandise, richtig lukrativ ist das klassische Streaming nämlich für die Kleinen nicht. Bei physischen Datenträgern wie Platten und CDs war jederzeit klar, wie viel Geld das Label den Künstlern gibt, selbst via iTunes, Amazon und Co. gekaufte Musik bot ein transparentes Finanzierungsmodell. Bei Spotify hingegen ist das tatsächliche Gehalt der Künstler nebulöser.

Populäre Playlists und die Macht der Großen

Doch nicht nur die menschliche Wiedergabe ist für Künstler ausschlaggebend für den Erfolg. Die Ohren der Zuhörer sind nicht das Einzige, das milde gestimmt werden muss – auch der Algorithmus will befriedigt werden. Websitebetreiber kennen das bereits seit Jahren vom leidigen Spiel mit Google und der Suchmaschinenoptimierung. Inhalte sind nicht nur für die Nutzer gedacht, sondern auch für den kühlen Algorithmus.
Wird ein Song in den populären Playlists platziert, so ist es ganz so, als laufe er auf Heavy Rotation im Radio. Für die User zählt die Convenience des Streamings, nicht jeder Nutzer möchte schließlich beständig neue Songs kuratieren. Gehört wird, was empfohlen wird.
Schließlich kennt der Algorithmus ja die eigenen Vorlieben, wenn du also einfach nur stöbern willst, kannst du dich einfach im Algorithmus treiben lassen.
Und das ist natürlich bequem, das sind die Kaufempfehlungen durch Werbeanzeigen auf den sozialen Netzwerken auch. Doch auf der Kehrseite stehen die gesammelten Daten. Präzise Empfehlungen erfordern für Spotify und Co. eben transparente User und ein undurchlässiges Unternehmen.
Wie massentauglich Streaming geworden ist, zeigen indes auch die amerikanischen Album-Charts, denn gestreamte Songs haben jetzt ebenfalls einen Einfluss auf die Charts. Eigentlich ein längst fälliger Schritt, denn alleine in den USA werden mehr Songs pro Tag gestreamt als per Download im Jahr (!) verkauft werden. Der Verkauf physischer Datenträger ist in der Statistik kaum noch ein nennenswerter Ausschlag. 90 Millionen physische Datenträger waren es 2016 in den USA, 734 Millionen bezahlte Downloads und 432 Milliarden gestreamte Lieder. Der schiere Marktanteil der Streamingdienste ist somit unverkennbar.

Wie echte Künstler sich ergeben und falsche entstehen

Wer in der Musikbranche erfolgreich sein will, der passt sich und seine Arbeit den Gegebenheiten des Streamingdienstes an. So etwa macht das Kanye West, der sein Album mehrfach überarbeitete. So konnten seine Hörer zu Zeugen des Prozesses werden; vorausgesetzt sie streamten die Songs einfach mehrfach.
Und für findige Geschäftemacher ist das Streamingmodell ganz einfach zur Einnahmequelle geworden, die den Musikteil beim Musikstreaming überspringt. Fake Artists mit Fake Songs existieren außerhalb des Ökosystems von Spotify nicht, die Einnahmen durch generierte Klicks aber sind durchaus real.